Vickers

Vickers ist eine der historisch bedeutendsten Marken der Hydraulikindustrie und steht seit über hundert Jahren für Pionierleistungen im Bereich der Hydraulikpumpen, Motoren und Ventile. Gegründet in den 1920er Jahren von Harry Franklin Vickers, prägte das Unternehmen die Entwicklung der modernen Hydraulik nachhaltig, insbesondere durch die Erfindung der industriell nutzbaren Flügelzellenpumpe. Heute wird die Marke im Portfolio von Danfoss Power Solutions weitergeführt und bleibt in zahlreichen Bestandsanlagen sowie Neuprojekten präsent.

Geschichte und Ursprünge von Vickers

Die Geschichte von Vickers beginnt 1921, als Harry Franklin Vickers die Vickers Manufacturing Company gründete. Vickers gilt in der Branche als einer der Väter der modernen industriellen Hydraulik, da er zentrale Bausteine heutiger Hydrauliksysteme entwickelte und zur industriellen Reife führte. Zu seinen frühesten und einflussreichsten Innovationen gehört die Flügelzellenpumpe, die er in den 1930er Jahren zum Patent anmeldete. Das US-Patent US1989900A aus dem Jahr 1935 beschreibt eine Rotations-Flügelzellenpumpe mit symmetrisch ausgeglichenen Saug- und Druckkanälen, die die Lagerbelastung reduzierte und die Lebensdauer deutlich erhöhte.

Pionierleistungen in der Hydraulik

Vickers entwickelte neben der Flügelzellenpumpe auch frühe Servolenkungssysteme und vorgesteuerte Druckventile. Diese Erfindungen fanden rasch Eingang in die industrielle Fertigung, den Maschinenbau und mobile Anwendungen. Die Kombination aus mechanischer Präzision und gezielter Führung von Hydraulikflüssigkeit in den Pumpen- und Ventilgehäusen war damals wegweisend. Vickers machte Hydraulik für die breite Industrieanwendung verfügbar, indem er Komponenten entwarf, die robust, wartungsfreundlich und effizient waren.

Produktportfolio von Vickers

Das Produktportfolio von Vickers deckt weite Teile der hydraulischen Antriebstechnik ab. Die bekanntesten Produktgruppen umfassen Hydraulikpumpen, Hydraulikmotoren, Ventile, Zylinder, Akkumulatoren und komplette Hydraulikaggregate. Diese Bauteile finden sich sowohl in der industriellen Hydraulik als auch in der mobilen Hydraulik, etwa in Baumaschinen, Landtechnik und Schiffsbetrieb.

Hydraulikpumpen

Vickers ist besonders für seine Flügelzellenpumpen bekannt. Die Baureihen V10 und V20 gehören zu den am häufigsten referenzierten Flügelzellenpumpen der Branche und finden sich in unzähligen Bestandsanlagen. Diese Pumpen zeichnen sich durch hydrostatisch ausgelenkte Druckplatten und hydrodynamische Schmierführung aus, was zu langen Standzeiten und geringem Verschleiß führt. Die Baureihen VQ, VQH und VMQ erweitern das Spektrum hin zu höheren Druckstufen und geringer Geräuschentwicklung. VMQ-Flügelzellenpumpen sind besonders für ihre laufruhige Arbeitsweise geschätzt.

Neben Flügelzellenpumpen umfasst das Vickers-Sortiment auch Axialkolbenpumpen. Die Baureihen PVB, PVH und PVQ decken offene Kreisläufe in industriellen und mobilen Anwendungen ab. Die PVH-Serie ist eine der bekanntesten und wird häufig in Industrieanlagen eingesetzt. Die X20-Serie repräsentiert eine neuere Generation mit höherer Leistungsdichte und verbesserter Effizienz.

Hydraulikmotoren

Auf der Motorseite bietet Vickers Flügelzellenmotoren der M-Serie, Zahnradmotoren der S26-Serie sowie Axialkolbenmotoren aus den Duraforce- und Hydrokraft-Linien. Die Baureihen HMA, HMF, HMV und HMR richten sich an anspruchsvolle Anwendungen, die hohe Drehmomente bei niedrigen Drehzahlen erfordern. MFX und MVX sind weitere Reihen, die in industriellen und maritimen Einsatzgebieten Verwendung finden.

Ventile und Steuerkomponenten

Vickers stellt ein breites Spektrum an Hydraulikventilen her. Dazu gehören Wegeventile in elektromagnetischer und mechanischer Betätigung, Druckventile wie Überdruck- und Druckminderventile sowie Strömungsventile zur Drehzahl- und Geschwindigkeitsregelung. Diese Ventile folgen gängigen CETOP- und ISO-Montagemustern und lassen sich in hydraulische Systeme integrieren, die nach DIN EN ISO 4413 ausgelegt sind.

Technologie der Vickers-Flügelzellenpumpe

Die Flügelzellenpumpe ist die technologische Keimzelle der Marke Vickers. Harry Franklin Vickers erkannte bereits in den 1920er Jahren, dass eine Rotationspumpe mit ausbalancierten Druckkräften deutlich länger hält als konventionelle Konstruktionen mit einseitiger Belastung. Das Prinzip der hydraulisch ausbalancierten Flügelzellenpumpe reduziert die Radialkräfte auf den Rotor und entlastet die Lager spürbar.

Aufbau und Funktionsprinzip

Eine Vickers-Flügelzellenpumpe besteht aus einem Rotor mit radial beweglichen Flügeln, die in Schlitzen des Rotors laufen. Der Rotor dreht sich in einem sogenannten Druckring oder Nockenring, der exzentrisch zum Rotor angeordnet ist. Durch die Exzentrizität entsteht ein sich vergrößernder und verkleinernder Zwickelraum pro Umdrehung, der für den Fördereffekt sorgt. Die Flüssigkeit wird über Saugkanäle angesaugt und über Druckkanäle wieder ausgestoßen. Bei den von Vickers patentierten Bauformen sind Saug- und Druckkanäle symmetrisch angeordnet, wodurch sich die Druckkräfte gegenseitig aufheben.

Druckkompensierte Flügelzellenpumpen

Vickers entwickelte zudem druckkompensierte Flügelzellenpumpen, bei denen der Nockenring seine Exzentrizität verändert, wenn der Systemdruck einen eingestellten Sollwert erreicht. Ein Kompensatorventil erkennt den Ausgangsdruck und verschiebt den Ring in Richtung konzentrischer Position, wodurch die Förderung reduziert oder auf null abgesenkt wird. Das System verbraucht dadurch nur die Energie, die der aktuell geforderte Volumenstrom benötigt. Diese Bauform ist in industriellen Anlagen verbreitet, in denen wechselnde Volumenstromanforderungen und lange Stillstandsphasen mit konstantem Druck vorkommen.

Unternehmensgeschichte und Markenentwicklung

Vickers durchlief im Laufe der Jahrzehnte mehrere Eigentümerwechsel, behielt aber als Markenname stets seine technische Reputation. 1999 übernahm der Eaton-Konzern die Hydrauliksparte von Vickers und führte die Produkte unter dem Namen Eaton Vickers weiter. 2021 veräußerte Eaton sein Hydraulikgeschäft an Danfoss Power Solutions. Seitdem wird die Marke als Vickers by Danfoss vermarktet. Die Übernahme durch Danfoss sicherte die Fortführung der etablierten Produktlinien und bündelt die Kompetenzen zweier traditionsreicher Hydraulikhersteller unter einem Dach.

Bedeutung für Bestandsanlagen

Vickers-Komponenten sind in einer sehr großen Anzahl von Bestandsanlagen verbaut. Hydraulikaggregate aus den 1980er und 1990er Jahren, die mit Vickers-Flügelzellenpumpen der V- oder VQ-Serie ausgestattet sind, laufen in vielen Produktionsbetrieben bis heute. Für Wartungstechniker und Instandhaltungsteams bedeutet das, dass Ersatzteile, Kartuschen und Service-Kits für diese Baureihen weiterhin verfügbar sein müssen. HK Hydraulik unterstützt Betreiber bei der Beschaffung passender Vickers-Komponenten und bei der Ersatzteilidentifikation, wenn Originalunterlagen nicht mehr vorliegen.

Vickers im Kontext aktueller Normen und Standards

Hydrauliksysteme, in denen Vickers-Komponenten eingesetzt werden, müssen nach DIN EN ISO 4413 ausgelegt und betrieben werden. Diese Norm legt allgemeine Sicherheitsanforderungen und Anwendungsregeln für Hydrauliksysteme und deren Komponenten fest. Sie fordert unter anderem, dass Pumpen zugänglich für Wartung montiert werden, Wellenfluchten und Axiallasten innerhalb der Herstellerangaben bleiben und Druckspitze im System kontrolliert werden. Vickers-Produkte sind für den Einsatz unter diesen Bedingungen konstruiert. Die druckkompensierten Pumpen tragen beispielsweise dazu bei, Druckspitze zu vermeiden, da sie den Förderstrom automatisch reduzieren, bevor der Druck kritische Werte erreicht.

Wartung und Instandhaltung von Vickers-Komponenten

Die Instandhaltung von Vickers-Pumpen und -Ventilen folgt den üblichen Prinzipien der Hydraulikinstandhaltung. Da viele Vickers-Baureihen als Kartuschendesign ausgeführt sind, lassen sich Verschleißteile wie Flügel, Nockenringe und Druckplatten als vorgefertigte Kartuschen austauschen, ohne das gesamte Pumpengehäuse zu demontieren. Das verkürzt Stillstandszeiten und vereinfacht die Logistik.

Sauberkeit der Hydraulikflüssigkeit

Wie bei allen Hydraulikkomponenten ist die Sauberkeit der Hydraulikflüssigkeit entscheidend für die Lebensdauer. Verschmutzungen in der Flüssigkeit verursachen Riefenbildung an den Gleitflächen der Flügel und Nockenringe. Die ISO 4413 fordert angemessene Filtration und regelmäßige Überwachung der Fluidreinheit. Vickers-Flügelzellenpumpen reagieren empfindlich auf Partikelverschmutzung, da die Spaltmaße zwischen Flügeln, Rotor und Druckplatten gering sind. Ein korrekt dimensionierter Filterschutz und die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Ölwechselintervalle sind daher unabdingbar.

Verschleißerkennung

Anzeichen für Verschleiß an Vickers-Pumpen sind abnehmende Förderleistung, steigende Geräuschentwicklung oder unruhiger Lauf. Bei druckkompensierten Bauformen kann ein fehlerhaft ansprechendes Kompensatorventil dazu führen, dass die Pumpe den Druck nicht mehr hält oder ungewollt in die Nullförderung springt. Solche Symptome erfordern eine gezielte Diagnose, bei der zunächst der Kompensator und das Steuerkreuz geprüft werden, bevor die gesamte Kartusche getauscht wird.

  • Was ist Vickers in der Hydraulik?
    Vickers ist eine historisch bedeutende Marke der Hydraulikindustrie, die 1921 von Harry Franklin Vickers gegründet wurde. Das Unternehmen gilt als einer der Väter der modernen industriellen Hydraulik und prägte die Entwicklung von Hydraulikpumpen, Motoren und Ventilen maßgeblich. Besonders bekannt ist Vickers für die Erfindung der industriell nutzbaren Flügelzellenpumpe. Heute wird die Marke als Vickers by Danfoss im Portfolio von Danfoss Power Solutions weitergeführt.
  • Welche Hydraulikpumpen stellt Vickers her?
    Vickers stellt vor allem Flüßzellenpumpen und Axialkolbenpumpen her. Zu den bekanntesten Flüßzellenpumpen zählen die Baureihen V10 und V20, die in unzähligen Bestandsanlagen verbaut sind. Die Reihen VQ, VQH und VMQ decken höhere Druckstufen und besonders laufruhige Anwendungen ab. Bei den Axialkolbenpumpen sind die Baureihen PVB, PVH und PVQ für offene Kreisläufe in industriellen und mobilen Anwendungen verbreitet.
  • Wie funktioniert eine Vickers-Flüßzellenpumpe?
    Eine Vickers-Flüßzellenpumpe besteht aus einem Rotor mit radial beweglichen Flüßeln, die in einem exzentrisch angeordneten Druckring oder Nockenring laufen. Durch die Exzentrizität entsteht pro Umdrehung ein sich vergrößernder und verkleinernder Zwickelraum, der den Fördereffekt erzeugt. Bei den von Vickers patentierten Bauformen sind Saug- und Druckkanäle symmetrisch angeordnet, sodass sich die Radialkräfte auf den Rotor gegenseitig aufheben und die Lager spürbar entlastet werden.
  • Was ist eine druckkompensierte Flüßzellenpumpe?
    Bei einer druckkompensierten Flüßzellenpumpe von Vickers verändert der Nockenring seine Exzentrizität, sobald der Systemdruck einen eingestellten Sollwert erreicht. Ein Kompensatorventil erkennt den Ausgangsdruck und verschiebt den Ring in Richtung konzentrischer Position, wodurch die Förderung reduziert oder auf null abgesenkt wird. Das System verbraucht dadurch nur so viel Energie, wie der aktuell geforderte Volumenstrom benötigt. Diese Bauform ist in industriellen Anlagen mit wechselnden Volumenstromanforderungen verbreitet.
  • Warum ist die Sauberkeit der Hydraulikflüssigkeit bei Vickers-Pumpen so wichtig?
    Vickers-Flüßzellenpumpen reagieren empfindlich auf Partikelverschmutzung, da die Spaltmaße zwischen den Flügeln, dem Rotor und den Druckplatten gering sind. Verschmutzungen in der Hydraulikflüssigkeit verursachen Riefenbildung an den Gleitflächen von Flügeln und Nockenringen. Daher sind ein korrekt dimensionierter Filterschutz und die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Ölwechselintervalle unabdingbar für die Lebensdauer der Pumpe.
  • Was sind typische Anzeichen für Verschleiß an Vickers-Pumpen?
    Typische Verschleißzeichen an Vickers-Pumpen sind abnehmende Förderleistung, steigende Geräuschentwicklung und unruhiger Lauf. Bei druckkompensierten Bauformen kann ein fehlerhaft ansprechendes Kompensatorventil dazu führen, dass die Pumpe den Druck nicht mehr hält oder ungewollt in die Nullförderung springt. Eine gezielte Diagnose sollte zunächst den Kompensator und das Steuerkreuz prüfen, bevor die gesamte Kartusche getauscht wird.
  • Wie steht Vickers heute zu Danfoss?
    1999 übernahm der Eaton-Konzern die Hydrauliksparte von Vickers und führte die Produkte als Eaton Vickers weiter. 2021 veräußerte Eaton sein Hydraulikgeschäft an Danfoss Power Solutions, seitdem wird die Marke als Vickers by Danfoss vermarktet. Die Integration sichert die Fortführung etablierter Produktlinien und bündelt die Kompetenzen zweier traditionsreicher Hydraulikhersteller unter einem Dach, inklusive zunehmender Digitalisierung und Sensorik.