Brueninghaus

Brüninghaus war ein deutscher Hersteller von Hydraulikkomponenten, der sich auf Axialkolbenpumpen und Axialkolbenmotoren spezialisierte. Das Unternehmen ging aus den Stahlwerken Brüninghaus hervor und wurde in den 1970er Jahren in die Rexroth-Gruppe integriert. Heute ist die Marke vollständig in die Bosch Rexroth AG aufgegangen. Die unter dem Namen Brüninghaus entwickelten Pumpen- und Motorbaureihen prägen die Hydraulikbranche bis heute.

Geschichte und Unternehmensentwicklung von Brüninghaus

Die Geschichte von Brüninghaus ist eng mit dem Aufbau der deutschen Hydraulikindustrie verknüpft. Das Unternehmen begann als Abteilung der Stahlwerke Brüninghaus, einem traditionellen Stahlverarbeitungsunternehmen, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im westfälischen Raum ansässig war. Die Hydrauliksparte entwickelte sich aus dem Bedarf heraus, hydraulische Antriebskomponenten für industrielle Anwendungen herzustellen.

Vom Stahlwerk zum Hydraulikspezialisten

Im Jahr 1957 wurde das Werk in Horb am Neckar gegründet, um die Serienfertigung von Axialkolbenmaschinen aufzubauen. Startpunkt waren 80 Mitarbeiter, die erste industrielle Auflage von Axialkolbenpumpen fertigten. Dieser Schritt markiert den Übergang von Einzelanfertigungen hin zu einer serienmäßigen Hydraulikproduktion, die später Maßstäbe in der Branche setzen sollte. 1969 wurde die Hydraulikabteilung als eigenständige Brueninghaus Hydraulik GmbH aus den Stahlwerken ausgegliedert.

Übernahme durch Mannesmann Rexroth

In den Jahren 1975 bis 1976 übernahm die Mannesmann AG das Unternehmen und gliederte es in die Rexroth-Gruppe ein. Rexroth baute damit seine Kompetenz im Bereich der Axialkolbenmaschinen gezielt aus. Brüninghaus brachte eine etablierte Produktpalette an Schrägscheiben-Axialkolbenpumpen ein, die den mittleren Druckbereich abdeckten, während die Rexroth-Marke Hydromatik auf Schrägachsmaschinen für höhere Druckbereiche spezialisiert war. Diese komplementäre Ausrichtung beider Marken erwies sich als strategisch vorteilhaft.

Fusion zur Brueninghaus Hydromatik GmbH

Im Jahr 1994 fusionierten die beiden Rexroth-Tochterunternehmen Brueninghaus und Hydromatik zur Brueninghaus Hydromatik GmbH. Das neue Unternehmen operierte von zwei Standorten aus: Horb am Neckar, der ursprünglichen Brüninghaus-Produktionsstätte, und Elchingen, dem traditionellen Hydromatik-Standort. Diese Zusammenführung bündelte das gesamte Know-how in Axialkolbenpumpen und Axialkolbenmotoren unter einem Dach und stärkte die Marktposition im globalen Wettbewerb.

Übergang zur Bosch Rexroth AG

2001 übernahm die Robert Bosch GmbH die Rexroth-Gruppe und integrierte das Hydraulikgeschäft in den Bosch-Konzern. Die Brueninghaus Hydromatik GmbH wurde zunächst als Tochtergesellschaft weitergeführt, bis sie 2010 vollständig in die Bosch Rexroth AG verschmolzen wurde. Seit diesem Zeitpunkt tritt Bosch Rexroth als alleiniger Markenname auf. Die unter dem Namen Brüninghaus entwickelten Baureihen werden jedoch weiterhin produziert und weiterentwickelt.

Produktportfolio von Brüninghaus

Das Kernkompetenzgebiet von Brüninghaus lag in der Entwicklung und Fertigung von Axialkolbenpumpen und Axialkolbenmotoren. Diese Maschinen gehören zu den wichtigsten Antriebskomponenten in hydrostatischen Systemen und wandeln hydraulische Energie in mechanische Rotationsenergie um beziehungsweise umgekehrt.

Axialkolbenpumpen mit Schwenkwinkelverstellung

Brüninghaus war maßgeblich an der Weiterentwicklung von Axialkolbenpumpen mit verstellbarem Schwenkwinkel beteiligt. Bei diesem Bauprinzip ist der Neigungswinkel der Schwenkscheibe während des Betriebs anpassbar, wodurch sich das Verdrängungsvolumen und damit der Förderstrom stufenlos regulieren lassen. Dieses Verstellprinzip ermöglicht eine bedarfsgerechte Volumenstromsteuerung, ohne die Antriebsdrehzahl verändern zu müssen. Pumpen dieser Bauart kommen in zahlreichen industriellen und mobilen Anwendungen zum Einsatz, wo der hydrostatische Antriebe präzise geregelt werden müssen.

Konstantpumpen und Festverdrängungsmotoren

Neben den Verstellpumpen umfasste das Portfolio auch Konstantpumpen mit festem Verdrängungsvolumen. Diese Baureihe kam bevorzugt in Anwendungen zum Einsatz, in denen ein konstanter Volumenstrom ausreicht und auf die Verstellbarkeit verzichtet werden kann. Als Motoren betrieben, wandeln Axialkolbenmaschinen hydraulischen Druck in Drehmoment um, wobei Konstantmotoren mit festem Schluckvolumen eine einfache und robuste Lösung für viele Antriebsaufgaben darstellen.

Bekannte Baureihen von Brüninghaus

Die unter dem Namen Brüninghaus beziehungsweise später Brueninghaus Hydromatik vermarkteten Produktserien haben in der Hydraulikbranche einen Bekanntheitsgrad erreicht, der weit über die Unternehmensgeschichte hinausgeht. Die Bezeichnungen der Baureihen werden auch heute noch im Ersatzteilgeschäft und in technischen Dokumentationen verwendet.

Die A2F-Baureihe

Die A2F-Serie umfasst Axialkolbenmaschinen in Schrägachsbauweise mit festem Verdrängungsvolumen. Sie wird sowohl als Pumpe als auch als Motor eingesetzt. Die Schrägachsbauweise zeichnet sich durch einen festen Winkel zwischen Antriebswelle und Zylinderachse aus, typischerweise bei 25 Grad. Die A2F-Maschinen eignen sich für hydrostatische Antriebe in offenen und geschlossenen Kreisläufen und finden sich in industriellen Anlagen sowie in mobilen Arbeitsmaschinen. Die Baureihe deckt mehrere Baugrößen ab, die sich im Verdrängungsvolumen unterscheiden und unterschiedliche Leistungsklassen abdecken.

Die A2V-Baureihe

Bei der A2V-Serie handelt es sich um Verstellpumpen mit variablem Verdrängungsvolumen. Die Verstellung erfolgt über die Änderung des Schwenkwinkels der Schwenkscheibe. Für die A2V-Baureihe sind Nenndrücke bis 350 bar und Spitzendrücke bis 400 bar dokumentiert. Bei pulsierenden Drücken oberhalb von 315 bar empfiehlt der Hersteller die Verwendung von Zahnwellenausführungen anstelle von Keilwellen, um die Wellenbelastung zu reduzieren. Die A2V-Pumpen kommen in Anwendungen mit variablen Volumenstromanforderungen zum Einsatz, etwa in Pressen, Spritzgießmaschinen und anderen industriellen Anlagen mit wechselnden Lastprofilen.

Die A2VK-Baureihe

Die A2VK-Serie ist eine kompaktere Baureihe von Verstellpumpen, die speziell für mittlere Druckbereiche konzipiert wurde. Der Nenndruckbereich liegt bei bis zu 250 bar, der Maximaldruck bei 315 bar an den Anschlüssen. Die Baureihe umfasst mehrere Baugrößen mit Verdrängungsvolumina von etwa 12 bis 107 cm³ pro Umdrehung. Die A2VK-Pumpen richten sich an Anwendungen im mittleren Leistungsbereich und werden häufig in kleineren bis mittleren industriellen Hydrauliksystemen eingesetzt. Auch im Ersatzteilmarkt spielen diese Pumpen eine Rolle, da viele ältere Anlagen mit A2VK-Pumpen ausgestattet sind und weiterhin gewartet werden.

Technische Merkmale und Konstruktionsprinzipien

Die von Brüninghaus entwickelten Axialkolbenmaschinen basieren auf bewährten Konstruktionsprinzipien, die bis heute in der Hydrauliktechnik relevant sind. Zwei Bauweisen dominieren das Portfolio: Schrägach- und Schwenkscheibenmaschinen.

Schrägachsbauweise

Bei der Schrägachsbauweise sind die Kolbenachsen in einem festen Winkel zur Antriebswelle angeordnet. Die Zylinder laufen exzentrisch zur Antriebswelle und übertragen die Kolbenkraft über Pleuel auf die Antriebsscheibe. Dieser Aufbau erlaubt hohe Druckbelastungen und zeichnet sich durch eine kompakte Bauform aus. Schrägachsenmaschinen der A2F-Baureihe erreichen Wirkungsgrade, die im oberen Bereich der hydraulischen Maschinen liegen.

Schwenkscheibenbauweise

Die Schwenkscheibenbauweise nutzt einen verstellbaren Neigungswinkel der Schwenkscheibe, um das Verdrängungsvolumen zu variieren. Die Kolben bewegen sich parallel zur Antriebswelle und stützen sich auf der schwenkbaren Scheibe ab. Dieser Aufbau ermöglicht eine stufenlose Verstellung des Förderstroms und ist die Grundlage der A2V- und A2VK-Verstellpumpen. Konstrukteure wählen diese Bauart, wenn variable Volumenströme bei gleichzeitig kompakter Bauweise gefordert sind.

  • Was ist Brüninghaus in der Hydraulik?
    Brüninghaus war ein deutscher Hersteller von Hydraulikkomponenten, der sich auf Axialkolbenpumpen und Axialkolbenmotoren spezialisierte. Das Unternehmen ging aus den Stahlwerken Brüninghaus hervor, wurde in den 1970er Jahren in die Rexroth-Gruppe integriert und ist heute vollständig in der Bosch Rexroth AG aufgegangen. Die unter dem Namen Brüninghaus entwickelten Pumpen- und Motorbaureihen prägen die Hydraulikbranche bis heute.
  • Wie verlief die Unternehmensgeschichte von Brüninghaus?
    Die Geschichte begann als Abteilung der Stahlwerke Brüninghaus im westfälischen Raum. 1957 wurde das Werk in Horb am Neckar zur Serienfertigung von Axialkolbenmaschinen gegründet, 1969 wurde die Hydraulikabteilung als eigenständige Brueninghaus Hydraulik GmbH ausgegliedert. Zwischen 1975 und 1976 übernahm die Mannesmann AG das Unternehmen und gliederte es in die Rexroth-Gruppe ein. 1994 fusionierten Brueninghaus und Hydromatik zur Brueninghaus Hydromatik GmbH, die 2010 vollständig in die Bosch Rexroth AG verschmolzen wurde.
  • Welche Baureihen sind von Brüninghaus bekannt?
    Zu den bekanntesten Baureihen zählen die A2F-Serie (Axialkolbenmaschinen in Schrägachbauweise mit festem Verdrängungsvolumen), die A2V-Serie (Verstellpumpen mit variablem Verdrängungsvolumen, Nenndrücke bis 350 bar) sowie die A2VK-Serie (kompakte Verstellpumpen für mittlere Druckbereiche bis 250 bar mit Verdrängungsvolumina von etwa 12 bis 107 cm³ pro Umdrehung). Diese Bezeichnungen werden auch heute noch im Ersatzteilgeschäft verwendet.
  • Was unterscheidet Schrägach- und Schwenkscheibenbauweise?
    Bei der Schrägachbauweise sind die Kolbenachsen in einem festen Winkel zur Antriebswelle angeordnet, was hohe Druckbelastungen und eine kompakte Bauform erlaubt. Die Schräftscheibenbauweise nutzt einen verstellbaren Neigungswinkel der Schräftscheibe, um das Verdrängungsvolumen zu variieren und so eine stufenlose Verstellung des Förderstroms zu ermöglichen. Sie ist die Grundlage der A2V- und A2VK-Verstellpumpen.
  • Sind für Brüninghaus-Komponenten weiterhin Ersatzteile verfügbar?
    Ja. Bosch Rexroth stellt als Rechtsnachfolger weiterhin Ersatzteile für die historischen Baureihen bereit. Da Ersatzteile und Instandhaltungsunterlagen häufig unter den historischen Bezeichnungen geführt werden, ist die Kenntnis der Brüninghaus-Baureihen für Wartungstechniker und Betreiber älterer Anlagen unerlässlich. Bei der Instandhaltung sind die korrekte Hydraulikflüssigkeit, Sauberkeitsanforderungen nach ISO 4406 und die regelmäßige Kontrolle von Verschleißteilen zu beachten.